Pressemitteilung

Kühlungsborn strebt Sanierung der Villa Baltic in Eigenregie als Teil einer Quartiersentwicklung zur öffentlichen Nutzung an

Kühlungsborn strebt Sanierung der Villa Baltic in Eigenregie als Teil einer Quartiersentwicklung zur öffentlichen Nutzung an

Nach Ankauf des Gebäudes sollen auf dem städtischen Grundstück das neue Rathaus, ein Kurhaus mit Bühne und 300 Plätzen, ein Parkdeck, Arztpraxen und Geschäfte entstehen

Ostseebad Kühlungsborn, 02.02.2026 – Die Stadt Ostseebad Kühlungsborn (Landkreis Rostock) strebt die Sanierung der seit rund 30 Jahren leerstehenden, denkmalgeschützten Villa Baltic in kommunaler Eigenregie an. Die Verwaltung schlägt dafür den Ankauf des Gebäudes sowie eine Quartiersentwicklung auf dem städtischen Grundstück zur vielfältigen öffentlichen Nutzung vor. Der zuletzt verfolgte Plan, die Revitalisierung der 1912 erbauten Immobilie durch einen privaten Investor mit der Genehmigung eines angrenzenden Hotelneubaus zu erreichen, konnte nicht umgesetzt werden.

Die Visualisierung der Kühlungsborner Architektin Karoline Grohmann zeigt die sanierte Villa Baltic (links) und die Studie für ein Kurhaus mit Bühne und 300 Sitzplätzen.

 

„Die Umsetzung einer Investoren-Lösung ist de facto an einer Einigung mit dem Vorhabenträger gescheitert – das ist für alle Beteiligten sehr bedauerlich. Im Interesse der Bürgerinnen und Bürger Kühlungsborns sowie der Zukunft unserer Stadt ist es nun höchste Zeit, die endlose Odyssee zur Sanierung der verfallenden Villa Baltic zu beenden und das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen“, erklärt Bürgermeisterin Olivia Arndt (Kühlungsborner Liste).

Nach bereits erfolgten Beratungen in den Fachausschüssen legt die Verwaltung der Stadtvertretung am morgigen Dienstag zwei Beschlussvorlagen vor. Mit ihrer Zustimmung kann die Politik den Weg für eine Rettung der historischen Villa durch eine kommunale Quartiersentwicklung im Fördergebiet „Baltic“ ebnen. Dafür empfiehlt die Verwaltung, den Verkauf der städtischen Teilflächen westlich der Villa Baltic an die derzeitige Eigentümerin des Villengrundstücks nicht weiter zu verfolgen.

„Der Investor hat sehr gute Planungsarbeit geleistet. Die Rahmenbedingungen des Erwerbs eines Grundstücksteils für den geplanten Hotelneubau, mit dem er die Revitalisierung der Villa Baltic über die Förderungen hinaus finanzieren wollte, konnten jedoch nicht einvernehmlich geklärt werden“, begründet Arndt diesen Schritt.

Um weiteren Stillstand zu vermeiden, bittet die Bürgermeisterin die Stadtvertretung zugleich darum, die Verwaltung mit unverzüglichen Vertragsverhandlungen zum Erwerb der Villa Baltic zu beauftragen. „Die Sanierung der Villa Baltic ist das herausragende Ziel der städtebaulichen Entwicklung für Kühlungsborn West“, ergänzt Bauamtsleiterin Peggy Westphal.

Das die Villa umgebende Grundstück war im Eigentum der Stadt verblieben. Der angestrebte Teilverkauf wurde an die Auflage gekoppelt, die Villa nach der Sanierung in Teilen einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. Die Verpflichtung zur Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes war der Käufer bereits mit dessen Erwerb eingegangen.

„Unser neuer konzeptioneller Ansatz zum Erhalt der Villa Baltic ist die Übernahme der Bauherrenschaft durch die Stadt. Ziel ist eine vielfältige öffentliche Nutzung der Villa für Veranstaltungen für Kühlungsborn wie auch für Gäste sowie eine maßvolle Bebauung des Areals zur Schaffung von Flächen für sämtliche Aufgaben der Verwaltung“, so Arndt.

 

Innovatives Konzept für das „Baltic Park Quartier“

Im Auftrag der Stadtverwaltung hat die Kühlungsborner Architektin Karoline Grohmann ein innovatives Nutzungskonzept erarbeitet. Dieses sieht die Sanierung der Villa Baltic sowie eine sensible Neuentwicklung des städtischen Grundstücks mit drei Neubauten vor. Grundlage der Studie sind Bedarfsanalysen der vergangenen Jahre sowie laufende öffentliche Planverfahren.

„Wir schlagen die Projektentwicklung in kommunaler Regie vor. Das Konzept haben wir der Stadtvertretung und den Ausschüssen in nichtöffentlicher Sitzung im November vorgestellt. Die überwiegend positive Resonanz hat uns bestärkt, den Weg zur Übernahme der Bauherrenschaft mit Nachdruck weiterzuverfolgen“, so Bürgermeisterin Arndt.

Kultur im Park: So stellt sich Architektin Grohmann die öffentliche Nutzung des neuen Kurhauses auf dem Grundstück der Villa Baltic vor.

 

Bild oben: Großzügige Freiflächen, Erhalt des Baumbestands, rechts das neue Rathaus in einem dreigeschossigen Veranstaltungsgebäude. An das Parkdeck schließt sich an der Poststraße ein Kopfbau mit Ladenflächen an (Bild unten).

Kern der Planung ist die denkmalgerechte Sanierung der im neobarocken Stil errichteten Villa Baltic. Vorgesehen ist eine komplett öffentliche Nutzung mit Gastronomie im Erdgeschoss. Im ersten Obergeschoss sollen das Standesamt sowie multifunktionale Räume untergebracht werden. Auch die Stadtvertretung könnte hier künftig tagen. Für das darüberliegende Mezzaningeschoss sieht die Studie ein Stadtmuseum vor. Die für die Sanierung kalkulierten Kosten belaufen sich auf rund 10,5 Millionen Euro netto und liegen damit deutlich unter dem vom Investor zuletzt veranschlagten Aufwand. Die Planung könnte bis 2028 finalisiert, die Sanierung bis 2030 abgeschlossen werden.

Westlich der Villa sieht das Konzept der Architektin ein neues, architektonisch mit dem historischen Gebäude harmonierendes Kurhaus für Kühlungsborn West vor. Im Erdgeschoss könnte die im Ostseebad fehlende Veranstaltungshalle mit Bühne und Sitzplätzen für bis zu 300 Personen entstehen. Dort sind traditionelle Feiern wie zur Einschulung, Jugendweihe, aber auch Konzerte, Theater sowie wissenschaftliche Symposien möglich. Auch die Stadtbibliothek könnte hier die gesuchten neuen Räume erhalten. Im Obergeschoss wäre ein Mehrzweckraum mit Dachterrasse zur Vermietung denkbar. Für dieses Projekt werden Kosten von rund 11 Millionen Euro veranschlagt, die Umsetzung könnte bis etwa 2031 erfolgen.

Östlich der Villa Baltic schlägt die Studie einen Neubau des Rathauses vor, mit dem die gesamte Stadtverwaltung – gemeinsam mit dem Standesamt in der Villa – an einem zentralen Standort gebündelt werden könnte. Der Entwurf geht von einer Bruttogeschossfläche von rund 2.500 Quadratmetern auf drei Geschossen aus. Der Kostenrahmen für diesen Baustein liegt bei etwa 6,65 Millionen Euro.

Als viertes Modul des Quartiers sind die „Baltic Arcaden“ geplant: ein Parkdeck mit bis zu 150 Stellplätzen sowie angrenzenden Mietflächen für Geschäfte und Arztpraxen. Durch eine optische Verlängerung der Poststraße und hochwertige Einzelhandelsangebote soll der Besucherstrom gezielt zum Ensemble auf dem Villen-Grundstück gelenkt werden. Die Kostenschätzung für diesen Neubau beträgt rund 4,3 Millionen Euro.

 

Finanzierung mit Unterstützung von Bund und Land

Die Gesamtkosten der Quartiersentwicklung belaufen sich nach derzeitigen Berechnungen auf gut 32 Millionen Euro netto, von denen die Stadt als Bauherrin allein zwei Drittel über Förderprogramme des Bundes und des Landes Mecklenburg-Vorpommern abdecken könnte. Zusätzliche Einnahmen zur Refinanzierung des städtischen Eigenanteils sollen durch die Vermietung von Veranstaltungs- und Ladenflächen sowie durch den Betrieb des Parkdecks erzielt werden. „Teil des Finanzierungskonzepts könnten auch ein Crowdfunding sowie die Unterstützung von Mäzene sein, die sich Kühlungsborn und seiner Gemeinschaft in besonderem Maße verbunden fühlen“, so Arndt.

„Wir haben die einmalige Chance, ein historisch bedeutsames Gebäude zu retten und zugleich ein lebendiges, öffentliches Quartier für Bürgerinnen, Bürger und Gäste Kühlungsborns zu schaffen“, betont die Bürgermeisterin. „Der bisherige Investor hat signalisiert, eine mögliche Übernahme der Quartiersentwicklung durch die Stadt konstruktiv zu begleiten. Ich appelliere daher an die Stadtvertretung, diesem neuen Weg durch ein klares Votum zur Beschlussfassung den Rücken zu stärken.“

 

Pressekontakt

Stadt Ostseebad Kühlungsborn
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E-Mail: info@stadt-kborn.de